Fünf Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von jeweils 6,8MW sollen in der Rüthnicker Heide nahe Beetz entstehen. Eine Initiative stemmt sich dagegen. Die Brandenburger Freiheit sprach mit Madeleine Gierschner und Kerstin Borchert von der IG Keine Windräder im Wald Beetz über ihre Motive und die Aussichten, das Windkraftprojekt gegen alle Widerstände doch noch zu kippen.
Seit der letzten Begegnung mit der IG Keine Windräder im Wald ist viel passiert. Madeleine Gierschner (hier geht’s zum Interview vom Juni 24) [1] hatte erfolgreich den Autokorso nach Neuruppin organisiert und die regionale Planungsgesellschaft wies den Wald in der Rüthnicker Heide nicht als Windvorranggebiet aus. Dennoch fanden Investoren und Behörden, einen Weg das Projekt nahe Beetz zu genehmigen. Kurz vor dem Inkrafttreten des Regionalplanes wurde es vom Brandenburger Landesamt für Umwelt (LfU) bewilligt.
Damit entstehen für Kerstin Borchert und Madeleine Gierschner neue Hürden. Denn nun kämpfen sie gegen einen Genehmigungsbescheid an. Als Drittpartei kann die IG nun Widerspruch gegen den Bescheid einlegen. Das kann allerdings teuer werden, erläutert Kerstin Borchert: „Wenn der Widerspruch nicht bewilligt wird, können Kosten zwischen 26 und 1023 Euro entstehen.“. Hinzu kommen noch Kosten für das Verwaltungsgericht und den Anwalt. Unter dem Strich könnte sich die Summe auf mehr als 40.000 Euro belaufen.
Als Klagepartner unterstützt der Verein Waldkleeblatt e.V. die Initiative. Denn die IG selbst verkörpert keine rechtsfähige juristische Person. Hierfür hat Borchert eine Vereinbarung mit dem Verein geschlossen. Für die Kosten muss allerdings die IG selbst aufkommen. Spenden sind dafür herzlich willkommen. Die 6 Damen aus Beetz werben dafür mit Flyern. Die Gemeinde Beetz hatte angeboten, den Spendenaufruf im Gemeindebrief zu veröffentlichen. Wer die Initiative finanziell unterstützen will, kann seine Spende direkt auf ein eigens dafür eingerichtetes Konto überweisen:
Kontoinhaber: Kerstin Borchert
IBAN: DE70 5002 4024 4528 8294 01
BIC: DEFFDEFFXXX
Verwendungszweck: Spende IG
Gesamtprojekt: 5 Windenergieanlagen (WEA), im Abstand von 425-530m untereinander.
Pro WEA: Nabenhöhe 179m, Gesamthöhe 267m, Rotordurchmesser: 175m, Rotorfläche 24.053m^2, Nennleistung: 6,8MW
Für das Projekt werden fast 1,4ha Wald in Stand-Betriebsflächen bzw. für Zuwegungen dauerhaft umgewandelt. Zeitweilig sind es sogar 5,4ha.
Quelle: [2]
Im Rückblick auf die Zeit seit 2024 zeigt sich Gierschner ernüchtert. „Zwar haben die Medien das Thema immer wieder mal aufgegriffen. Doch auf das Interesse flaut schnell wieder ab.“, gibt Gierschner hierzu an und ergänzt mit Blick auf die Politiker: „Wir waren bei etlichen Politikern. Aber letztlich kam eigentlich nichts.“. Seitens der Politik sieht Gierschner kein Interesse. „Das Vertrauen ist weg. Keiner hat geantwortet.“.
An ihrer Motivation hat sich bis heute nichts geändert. Gierschner findet es vernünftig, generell zu hinterfragen, welche Konsequenzen solche Projekte haben. „Allein der Boden bietet so viel Mehrwert“, meint die junge Frau. Unverständnis äußert Gierschner dafür, dass Tiere auf rote Listen für vom Aussterben bedrohte Arten gesetzt werden, am Ende dann aber doch ihre Nistplätze oder ihren gesamten Lebensraum verlieren. „Der Standort hier ist dann verbrannt. Wir vertreiben eigentlich alle.“, meint Gierschner. Als Beispiele nennen die Frauen Greifvögel, kleine, seltene Brutvögel, Bodenbewohner, „Wir haben hier einen Trauermantel (Edelfalter), scharlachroten Plattkäfer durch Zufall gefunden. Wir haben Fotobeweise. Zahlreiche Ameisenhaufen müssen umgesetzt werden. Wir haben nur einen Teil erfasst, da gibt es sicher noch wesentlich mehr.“.





Tatsächlich ist es so, dass der Bestand an schützenswerten Tierarten durch die Initiative überhaupt erst erfasst wird. Pionierarbeit. Denn bislang war die Rüthnicker Heide in dieser Hinsicht als weißer Fleck.
Wichtig ist den beiden Frauen aber, darauf zu verweisen, dass sie in der Nähe wohnen. Borcherts Wohnort liegen im Einflussbereiches des Wurfschattens und des Schalls. Mit ihrer Nähe zur Straße (L19) stellen die Windräder nicht nur für Tiere eine Gefahr da. Eiswurf kann auch für Passanten zur Gefahr werden. Ein Problem, das bislang sicher nur wenigen bewusst war.
Aktuell steht die Initiative jeden Sa von 11-12 Uhr in Beetz an der L19 – und das schon seit dem 11.11.2023. Das soll auch solange weiter gehen, wie es nötig ist und noch nicht alle Rechtsmittel zur Verhinderung des Windkraftprojektes ausgeschöpft sind.
Passanten reagieren überwiegend mit Zustimmung, hupen und recken die Daumen hoch – nur wenige Daumen zeigen nach unten. Schon auf dem Weg nach Beetz sind viele Grundstücke mit Plakaten der Initiative ausgestattet. „Die Unterstützung im Umfeld ist breit. Die Leute, die hier wohnen, wollen die Windräder nicht. Hätte es einen Bürgerentscheid zum Windkraftprojekt gegeben, dann wäre es bereits gestoppt worden.“, unterstreicht Gierschner.
Titelfoto & Text: Jan Müggenburg
Bilderstrecke: IG gegen Windkraft im Wald
[1] https://brandenburgerfreiheit.de/mit-dem-autokorso-zur-regionalversammlung/
[2] https://lfu.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/026_24_Bescheid.pdf