Ein Essay von Thomas Kay.
Europa, hörst du mich?
Ich spreche zu dir,
nicht aus Distanz,
sondern aus Nähe.
Weil du mir wichtig bist.
Weil du Teil meines Denkens,
meines Lebens
und meiner Verantwortung bist.
Und weil Erinnern zur Pflicht wird,
wenn das,
was uns trägt,
zu verblassen droht.
Diese Rede ist jenen gewidmet,
die vor uns gelebt haben
und deren Leben Europa geprägt hat.
Und sie ist jenen gewidmet,
die Europa nicht nur bewohnen,
sondern europäisch bleiben wollen.
Ich spreche heute nicht zu Institutionen.
Nicht zu Verträgen.
Nicht zu Programmen.
Ich spreche zu den Menschen dieses Kontinents.
Zu jenen, die Europa tragen.
Und zu jenen, die sich fragen,
ob Europa sie noch hört.
Europa ist keine Verwaltung.
Europa ist keine technische Konstruktion.
Europa ist eine Zivilisation.
Gewachsen aus Vernunft und Recht,
aus Würde und Verantwortung,
aus Freiheit und Maß.
Aus der griechischen Philosophie,
dem römischen Recht,
dem christlichen Menschenbild
und der Aufklärung.
Aus diesen Wurzeln bist du entstanden.
Und aus ihnen sind auch
die europäischen Nationen hervorgegangen.
Europa lebt nicht jenseits seiner Nationen.
Es lebt durch sie.
Europa,
wenn ich dich erinnern will,
wer du bist,
dann muss ich dich
an deinen Weg erinnern.
An einen langen Weg.
An einen schweren Weg.
An einen Weg,
auf dem unzählige Menschen
ihr Leben gegeben haben.
Deine Geschichte ist reich an Opfern.
Und diesen Opfern sind wir verpflichtet.
Über alle Nationen hinweg.
Über alle Ideologien hinweg.
Denn über allem stand stets etwas Größeres:
deine Zivilisation.
Aus Leid hast du Erkenntnis gewonnen.
Aus Katastrophen Verantwortung.
Aus Brüchen Tiefe.
Darum sind wir heute nicht nur Erben.
Wir sind Verantwortliche.
Und Verantwortung verlangt Widerspruch,
wenn das Eigene verfremdet wird.
Was heute in deinem Namen geschieht,
Europa,
ist kein Ausdruck deiner Zivilisation,
sondern ihre Entformung.
Bürokratismus statt Verantwortung.
Dirigismus statt Freiheit.
Verwaltung statt Haltung.
Nicht aus Bosheit.
Sondern aus Entfremdung.
Darum sage ich:
Ja zu Europa.
Aber Nein zu dieser EU.
Nicht aus Ablehnung.
Sondern aus Treue.
Europa,
du hast andere Wege gekannt.
Ein Europa der Vaterländer.
Ein Europa souveräner Nationen,
die zusammenarbeiten,
ohne sich aufzugeben.
Ein Europa der Verantwortung,
nicht der Entmündigung.
Darum braucht es
eine erneuerte Ordnung der Kooperation.
Eine erneuerte Europäische Wirtschaftsgemeinschaft.
Zusammenarbeit dort,
wo sie notwendig ist.
Eigenverantwortung dort,
wo sie getragen werden muss.
Handel.
Austausch.
Begegnung.
Keine Vereinheitlichung.
Keine kulturelle Entkernung.
Keine Aufgabe der Selbstbestimmung.
Europa,
auch der Blick nach Osten
gehört zu deiner Verantwortung.
Frieden wird es nicht ohne Ordnung geben.
Und Ordnung nicht ohne Einbeziehung.
Russland ist Teil deiner Geschichte.
Nicht als Herrschaft,
sondern als Teil des europäischen Ringens
um Sicherheit und Frieden.
Dialog ist keine Schwäche.
Diplomatie kein Verrat.
Europa hat nur Zukunft
als Friedensraum.
Europa,
auch deine innere Ordnung
steht auf dem Spiel.
Zu dir gehört Meinungsfreiheit.
Nicht als Zugeständnis,
sondern als Grundbedingung.
Zensur,
auch wenn sie modern daherkommt,
ist uneuropäisch.
Deine Denker lebten vom Widerspruch.
Nicht vom genehmigten Wort.
Und ebenso gehört zu dir
der Schutz der Identität
deiner Völker.
Offenheit braucht Maß.
Migration darf den inneren Frieden
nicht zerstören.
Identität zu schützen
ist keine Abschottung.
Es ist Verantwortung.
Europa,
vielleicht wäre es klüger gewesen zu schweigen.
Ich sehe jene,
die diese Worte zerlegen werden.
Doch du hast mich gehört.
Ich habe gesprochen,
weil du mir wichtig bist.
Und eines gibt mir Hoffnung:
Dass immer mehr Menschen
in Europa wach werden.
Du bist nicht vergessen.
Du bist mehr als Verwaltung.
Mehr als Macht.
Du bist eine Zivilisation.
Ein Erbe.
Eine Verpflichtung.
Lang lebe die europäische Zivilisation.
Lang lebe Europa.
Zur Person: Thomas Kay ist langjähriger Kreistagsabgeordneter und Stadtverordneter für die AfD in Oberhavel bzw. Hohen Neuendorf. Vor 3 Jahren veröffentlichte die Brandenburger Freiheit das hier verlinkte Interview mit ihm.