Für den Fraktionsvorsitzenden der AfD-Stadtfraktion Velten und Vorsitzenden der Kreistagsfraktion der AfD Oberhavel Heiko Gehring begann das Jahr 2026 gleich mit einer großen beruflichen Veränderung. Aufgrund des Todesfalls der Landtagsabgeordneten Kathleen Muxel übernahm er den freigewordenen Platz im Brandenburger Landtag.
BF: Sie sind Anfang Januar 2026 aufgrund eines Todesfalles in die AfD-Landtagsfraktion nachgerückt. Die Abgeordnete Kathleen Muxel ist nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Wie war das für Sie und kannten Sie Frau Muxel?
H. Gehring: Ich war seit Januar 2020 als Referent für die AfD-Landtagsfraktion tätig und hatte dadurch regelmäßig Kontakt zu unseren Abgeordneten. Kathleen Muxel war mir daher bekannt.
Sie war insbesondere eine treibende Kraft beim Einsatz für den Erhalt von Flora und Fauna in Grünheide, als die Landesregierung die Tesla-Ansiedlung im beschleunigten Verfahren durchgesetzt hat. Für ihr Engagement im Natur- und Tierschutz hat sie sich innerhalb der Fraktion großen Respekt erarbeitet.
Direkt zusammengearbeitet haben wir jedoch eher selten, da ich einem anderen Arbeitskreis zugeordnet war und hauptsächlich für den Sonderausschuss Strukturentwicklung in der Lausitz zuständig war. Thematische Überschneidungen gab es daher nur vereinzelt.
Der Tod von Kathleen hat mich dennoch sehr getroffen. Die Nachricht hat mich zunächst regelrecht geschockt, und ich brauchte einige Tage, um das zu verarbeiten – auch weil wir beide Jahrgang 1971 sind.
BF: Bei der Landtagswahl 2024 sind Sie als Direktkandidat für den Wahlkreis Oberhavel I angetreten und haben knapp gegen Andreas Noack (SPD) verloren. Der Wahlkreis umfasst Hennigsdorf, Kremmen, Oberkrämer, das Löwenberger Land und Velten. Sie lagen in allen Gebieten bis auf Hennigsdorf und Oberkrämer vor Herrn Noack. Wie kam es, dass dann doch Herr Noack in den Landtag eingezogen ist?
H. Gehring: Die Antwort ist kurz und eindeutig: sechs Briefwahllokale in Hennigsdorf.
Ohne die Briefwahl hätte die SPD in Brandenburg kaum noch Chancen, Wahlen zu gewinnen. Deshalb klammert sie sich mit aller Kraft an dieses Instrument – aus meiner Sicht der letzte politische Strohhalm.
BF: Warum sind Sie seinerzeit für den Landtag angetreten ? Was sind Ihre Anliegen und was möchten Sie als Landtagsabgeordneter für die Menschen in Ihrem Wahlkreis bzw. für die Brandenburger erreichen?
H. Gehring: Mir geht es um eine sichere, bezahlbare und planbare Zukunft in Frieden für unsere Bürger. Dazu gehören gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und im ländlichen Raum.
Ich möchte, dass meine Kinder ohne Angst vor Gewalt aufwachsen können und nicht mit ideologischen Experimenten wie Transformations- oder Genderwahn belastet werden.
Gleichzeitig bin ich der festen Überzeugung, dass Menschen, die ohne Ausbildung, Arbeitsperspektive oder Integrationswillen in unser Land gekommen sind und dauerhaft von Sozialleistungen leben, Deutschland wieder verlassen müssen. Das gilt erst recht bei Straffälligkeit und Gewalt.
BF: In welchen Ausschüssen werden Sie arbeiten und können Sie uns schon sagen, welche Themen dort gerade schwerpunktmäßig behandelt werden?
H. Gehring: Als Nachrücker sind die Möglichkeiten naturgemäß begrenzt, da Sprecherposten und Ausschussmitgliedschaften bereits vergeben sind. Nachdem ein Fraktionskollege für Kathleen Muxel in den Ausschuss für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz nachgerückt ist, konnte ich Mitglied im Ausschuss für Infrastruktur und Landesplanung sowie im Sonderausschuss Strukturentwicklung in der Lausitz werden.
Ich hatte gestern (22.01.2026) bereits meine erste Sitzung im Ausschuss für Infrastruktur und Landesplanung. Dort wurde unter anderem der Prignitz-Express RE6 behandelt. Zu meiner Verwunderung sprach sich Frau Walter-Mundt (CDU) für eine dauerhafte Nutzung der alternativen Streckenführung über Oranienburg aus. Das würde den gesamten Nordwest-Korridor schwächen, Velten die direkte Berlin-Anbindung nehmen und zudem die betriebswirtschaftliche Grundlage für eine S-Bahn-Verlängerung nach Velten erheblich untergraben.
BF: Gibt es ein Thema welches Ihnen besonders am Herzen liegt?
H. Gehring: Ganz ehrlich: Man hat inzwischen das Gefühl, es brennt überall gleichzeitig.
35 Jahre SPD-Politik haben Brandenburg und insbesondere Oberhavel sichtbar geschadet – Sanierungsstau, Fehlentwicklungen und ideologisch getriebener Transformationsdruck sind überall spürbar.
Als künftiger Sprecher für Raumplanung liegt mein Fokus klar darauf, weitere Windkraftanlagen und Freiflächen-Photovoltaik zu verhindern, die unsere Heimat verschandeln und wertvolle Acker- und Weideflächen dauerhaft zerstören.
BF: Sie sind Fraktionsvorsitzender der AfD-Stadtfraktion in Velten und auch in der Kreistagsfraktion der AfD Oberhavel Vorsitzender. Werden Sie weiterhin diese Ämter ausüben?
H. Gehring: Nein, das ist in dieser Form nicht dauerhaft zu leisten. Den Vorsitz der Kreistagsfraktion werde ich voraussichtlich an eine künftige Doppelspitze übergeben. Aktuell prüfen wir, wer bereit ist, die zusätzliche Verantwortung und den zeitlichen Aufwand zu übernehmen. Ich bleibe jedoch Kreistagsabgeordneter und werde dem Landrat weiterhin kritisch, hartnäckig und im Sinne unserer Wähler entgegentreten. In Velten bleibe ich Fraktionsvorsitzender. Dort braucht mich meine Fraktion weiterhin an der Spitze – insbesondere in enger Zusammenarbeit mit dem neuen Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung Robert Ketelhohn.
BF: Als Landtagsabgeordneter benötigen Sie in Ihrem Wahlkreis ein Büro und Mitarbeiter. Haben Sie beides schon gefunden?
H. Gehring: Ein Büro suche ich derzeit noch und bin sehr zuversichtlich bald entsprechende Räume zu finden. Meinen Mitarbeiterstab habe ich bereits zusammen. Es sind eine Büroleiterin sowie zwei wissenschaftliche Mitarbeiter zur Unterstützung meiner Tätigkeit.
BF: Haben Sie bereits an einer Plenumssitzung teilgenommen und wenn ja, wie ist die derzeitige Stimmung nachdem Herr Woidke (SPD) die Koalition mit dem BSW beendet hat?
H. Gehring: Ja, ich habe bereits an der von uns einberufenen Sondersitzung zur Auflösung des Landtags und zur Forderung nach Neuwahlen am 09.01.2026 teilgenommen. Ehrlich gesagt ist genau das eingetreten, womit wir als AfD-Fraktion von Anfang an gerechnet haben.
Die Stimmung beim BSW ist am Boden, und man richtet sich nun – gezwungenermaßen – auf Oppositionsarbeit ein.
BF: Im BSW hatte es im vergangenen Jahr Parteiaustritte gegeben. Der Finanzminister Crumbach gehörte dazu. Er ist dann in die SPD-Fraktion eingetreten und bekleidet sein Amt weiter. Wie bewerten Sie solches Verhalten?
H. Gehring: Offen gesagt: Das stinkt zum Himmel. Herr Crumbach war rund 41 Jahre Mitglied der SPD, trat dann aus, wechselte zum BSW, hielt diese Partei zunächst bewusst klein, wurde mit dem Einzug in den Landtag Finanzminister, sprengte anschließend durch seinen Austritt Fraktion und Koalition – und landete am Ende wieder bei der SPD. Ich persönlich halte es für sehr wahrscheinlich, dass hier im Zusammenhang mit der Landtagswahl 2024 von langer Hand geplant wurde.
BF: Derzeit arbeitet die SPD an einem Koalitionsvertrag mit der CDU. Sehen Sie in solchen Bündnis den Wählerwillen umgesetzt und denken Sie, dass wenn es zur Koalition kommen sollte, dass diese von Dauer ist?
H. Gehring: Nein, darin sehe ich ganz klar keinen umgesetzten Wählerwillen. Diese Konstellation hatte bei der Landtagswahl im September 2024 keine Mehrheit. Dennoch scheint es der gemeinsame Masterplan von SPD und CDU gewesen zu sein, genau diesen Weg einzuschlagen.
Ich gehe davon aus, dass sie dieses Bündnis – unabhängig vom Wählerwillen – bis zum Ende der Legislaturperiode 2029 durchziehen werden.
BF: Vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke in Ihre neue Tätigkeit.
Das Interview führte Gabriele Schade.