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Interview mit Daniela Schramm (Menschheitsfamilie)

Sie holte Top-Intellektuelle wie Daniele Ganser, Ulrike Guérot oder Gabriele Krone-Schmalz in die Region und füllte dabei große Hallen wie die Stadthalle Falkensee. Ihre Symposien setzten Maßstäbe in der Debattenkultur einer kritischen Gegenöffentlichkeit. Nun kündigte Daniela Schramm ihren Rückzug an. Die BF sprach mit ihr über die aktuelle Verfassung der Grundrechts- und Friedensbewegung, über Cancel-Culture und darüber, warum der angekündigte Rückzug eben doch kein vollständiger Rückzug auf Dauer ist.

BF: Was sind die Gründe für Ihren Rückzug? Ist es neben persönlicher Erschöpfung auch ein Mangel an Resonanz auf die eigenen Angebote oder die Einsicht, dass die Grundrechts- und Friedensbewegung aktuell bestenfalls geringen Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen hat?

D. Schramm: Zunächst möchte ich noch einmal betonen, dass ich mich nicht vollständig zurückgezogen habe. Ich möchte nur vorläufig nicht mehr in der alleinigen Verantwortung für größere Projekte stehen – trotz der Unterstützung, die ich in der Vorbereitung hatte. Für die Fortsetzung der Arbeit mit dem bisherigen Pensum fehlt mir auf lange Sicht schlicht die Kraft.
Hinzu kommt, dass ich die Podien meiner Veranstaltungen nicht so besetzen konnte, wie ich es gern wollte. Ziel war es, Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zusammenzubringen und den Rahmen für einen offenen Austausch zu schaffen. Doch von potenziellen Teilnehmern aus dem sogenannten „Mainstream“ erhielt ich entweder keine Antwort oder Absagen. Es scheint, als sei die Zeit dafür noch nicht reif.

BF: Und der These, dass der Einfluss der Grundrechts- und Friedensbewegung auf gesellschaftliche Entwicklungen eher gering ist, stimmen Sie zu?

D. Schramm: Ja. Es scheint, als würde sich das Land in einem kollektiven Trauma befinden. Ein Überfluss an Informationen und ständig neue Krisenherde stumpfen die Menschen ab und führen sie in die Passivität.

BF: Rückblickend scheint es, dass die deutsche Grundrechtsbewegung mit der Verhinderung der allgemeinen Impfpflicht im April 2022 ihren Zenit überschritten hat. Die gleichen Akteure sind beim Thema Friedenssicherung weit weniger erfolgreich. Geringe Teilnehmerzahlen bei den Demos, sich auflösende Orga-Teams, rückläufige Teilnehmerzahlen bei Veranstaltungsangeboten sind Ausdruck dafür. Können Sie sich erklären, woran das liegt?

D. Schramm: Ich denke, es macht sich Müdigkeit breit. Abgesehen von der Verhinderung der allgemeinen Impfpflicht tritt die Bewegung seit 6 Jahren auf der Stelle. Der zwischenzeitlich gezeigte Einsatz lässt sich eben nicht dauerhaft aufrecht erhalten. Das ist wohl eine natürliche Reaktion. Wir dürfen aber nicht übersehen, dass sich der Widerstand gegen die Corona-Politik nicht nur auf das Thema Impfen beschränkte. Viele waren auch durch die Risiken, die von den Maßnahmen für Kinder und Jugendliche ausgingen, alarmiert.
Die über uns allen schwebende Kriegsgefahr wird als solche von den meisten Menschen nicht wahrgenommen – noch nicht. Generell scheint die gegenwärtig geringe persönliche Betroffenheit der springende Punkt zu sein.

BF: Die Wehrpflicht verknüpft doch aber beides. Sie rückt die Kriegsgefahr ins Bewusstsein und schafft persönliche Betroffenheit zumindest für junge Leute.

D. Schramm: Das reicht aber offenbar noch nicht. In der aktuellen Traumatisierungsphase mit ihren permanent schlechten Nachrichten igeln sich die Menschen regelrecht ein. Für mich ist das eine Form von Selbstschutz.

BF: Allein die Sanktionen gegen Russland zeigen bereits jetzt nachhaltige Rückwirkungen auf die deutsche Wirtschaft und damit auf das Wohlstandsniveau. Die Politik setzt weiter auf Aufrüstung und militärische Konfrontation statt auf Dialog und Diplomatie. Warum ist den Deutschen so schwer zu vermitteln, dass dieser Kurs den eigenen Interessen widerspricht?

D. Schramm: Die meisten Menschen haben einfach nicht gelernt, Dinge kritisch zu hinterfragen. Die Ursache für diese mangelnde Kritikfähigkeit müssen wir wohl im Bildungssystem suchen. Einfachste Fragen wie „Wem kommt die Aufrüstung zugute?“, „Wer zahlt dafür?“ oder „Worauf werden wir deswegen verzichten müssen?“ stellen die Menschen einfach nicht. Sie realisieren auch nicht, dass es Aufgabe der Politiker wäre, Friedensvorschläge zu entwickeln. Falls dann doch mal jemand Kritik äußert, dann eher hinter vorgehaltener Hand. Offener Protest oder die Beteiligung an Demos bleiben leider die Ausnahme.

BF: Eines Ihrer Kernanliegen war es, Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zusammenzubringen und offene Debatten zu ermöglichen. Sie geben zu, dass dieser Ansatz aktuell kaum Chancen hat. Wie lange kann sich diese Gesellschaft die Unkultur der ‚Cancel-Culture‘ noch leisten oder haben sich die Architekten der Brandmauern auf absehbare Zeit durchgesetzt?

D. Schramm: Ich glaube, da brodelt es bereits gewaltig. Aber wie lange der Zustand noch anhält, vermag ich nicht zu sagen. Irgendwann wird es den Moment geben, wo jemand ruft: „Der Kaiser ist nackt!“. Im Moment verharren aber die meisten im Frust und sind entweder nicht willens oder nicht in der Lage, Zusammenhänge herzustellen und Kausalitäten zu erkennen.
Die Missstände entblößen sich aber kontinuierlich. Damit der Stein ins Rollen kommt, muss es wohl wieder jeden betreffen. Wenn ich mir die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung ansehe, könnte das sehr bald der Fall sein.

BF: Trotz aller Hindernisse erreicht die AfD immer neue Spitzenwerte bei Umfragen und Wahlen. Sie beweist, dass erfolgreiche Oppositionsarbeit unter schwierigen Rahmenbedingungen durchaus möglich ist. Was macht Ihrer Ansicht nach den Erfolg der Partei aus?

D. Schramm: Die AfD greift Themen auf, die die Menschen bewegen. Manche halten das populistisch. Ich finde aber, dass Politik genau das leisten sollte. Große Parteien nehmen ihre Fehler offenbar gar nicht mehr zur Kenntnis. Im Umgang mit der AfD versuchen sie immer wieder das Gleiche und erhalten am Ende das gleiche Ergebnis: wachsende Zustimmung für die AfD.

BF: AfD-Vertreter waren auf Ihren Veranstaltungen aber bisher nicht vertreten.

D. Schramm: Meine Veranstaltungen sollen generell keine Foren für Parteivertreter sein. Sie sind ganz bewusst Partei-fern gehalten. Eine Ausnahme würde ich lediglich bei Martin Sonneborn machen.

BF: In Ihrer Erklärung vom 26.02.26 kündigten Sie zwar einen Rückzug an, gaben aber auch an, der Friedensbewegung verbunden zu bleiben und an Projekten weiter zu arbeiten. Verraten Sie uns, welche Projekte das sind?

D. Schramm: Aktuell arbeite ich zusammen mit Christiane Reymann an einer Kundgebung mit kulturellem Rahmenprogramm. Sie soll am 20.06.26, dem 85. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion stattfinden. Thematisch sind wir noch in der Vorbereitung. Aber neben dem Deutschland-Russland-Verhältnis wird es inhaltlich auch um die Feindbilderzeugung gehen. Gerade die Wahrnehmung von Russland als Feind scheint mir im Westen tief verwurzelt zu sein. Diese Sicht reicht zurück bis zu Mackinders Aufsatz über die Heartland-Theorie. Dagegen wollen wir etwas tun. Interessierte können dazu auch gerne unseren Aufruf auf der Webseite
www.russlandistnichtunserfeind.de unterzeichnen und teilen.

BF: Können Sie sich eine Rückkehr in den Bereich öffentlichkeitswirksamer Veranstaltungsformate zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen?

D. Schramm: Ja.

BF: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Jan Müggenburg für die BF.

www.brandenburgerfreiheit.de

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