Am 13. August 2026 jährt sich zum 65. Mal der Beginn des Baus der Berliner Mauer. Zu diesem Anlass veranstaltete der Bundestagsabgeordnete der AfD Dr. Götz Frömming am 7. Juli 2026 einen Vortrag mit dem ehemaligen Fluchthelfer Dr. Burkhart Veigel im Paul-Löbe-Haus in Berlin. Dr. Frömming ist Leiter des Arbeitskreises für Kultur und Medien sowie der Arbeitsgemeinschaft Geschichte der AfD-Bundestagsfraktion.
Der heute 88-jährige Dr. Burkhart Veigel hat zwischen 1961 und 1970 insgesamt 950 Menschen bei der Flucht aus der DDR in den Westen geholfen und gilt als erfolgreichster Fluchthelfer der Bundesrepublik Deutschland [1]. Er war 23 Jahre alt, als die Mauer gebaut wurde. Freiheit war für ihn immer ein hohes Gut und er wollte deshalb den Menschen helfen, die nicht in Freiheit leben konnten. Im Oktober 1961 schloss er sich der Girrmann-Gruppe an [2]. Das war eine studentische Fluchthilfegruppe der FU Berlin, die u.a. zusammen Tunnel grub oder über die Kanalisation Menschen zur Flucht verhalf. Später hatte er dann eine eigene Gruppe.
Er entwickelte die sogenannte “Doppelgänger-Tour“ am Bahnhof Heinrich-Heine-Straße. Diese wurde von der Grenzpolizei und Stasi nie durchschaut. Am spektakulärsten aber war seine Idee einen Cadillac so umzubauen, dass im Armaturenbrett Menschen über die Grenze transportiert wurden. Dabei lag der Kopf auf der Lenksäule und die Beine hingen über dem rechten Radkasten. Diese Fluchten wurden meistens aus Ungarn oder der Tschechoslowakei aufgrund der im Vergleich zu den innerdeutschen Grenzen eher oberflächlichen Kontrollen durchgeführt. Das Auto musste mehrmals umgebaut und umlackiert werden, um nicht aufzufallen. Er hat ca. 200 Menschen auf diese Weise in den Westen gebracht. Auch das Fälschen von Pässen beherrschte er so professionell, dass selbst die Stasi meinte, dass man diese nicht von echten Pässen unterscheiden konnte. Dieses erfuhr er nach der Wende aus seiner sehr umfangreichen Stasiakte.
Die Stasi wollte über die DDR-Justizministerin Hilde Benjamin erreichen, dass Burkhart Veigel zum Tode verurteilt werden soll und hat zweimal versucht ihn zu entführen, was glücklicherweise nicht gelang. Er musste immer sehr vorsichtig agieren. 1970 wurde er Vater und zog dann mit seiner Familie nach Hannover.
Damit beendete er seine aktive Phase als Fluchthelfer. Nach seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben zog er 2007 wieder nach Berlin zurück, um über die Vergangenheit der geteilten Stadt hinsichtlich Stasi, Spitzel, Flucht und Fluchthilfe zu forschen. Daraus entstand sein erstes Buch „Wege durch die Mauer – Fluchthilfe und Stasi zwischen Ost und West“. Mittlerweile gibt es davon die 5. Auflage [3]. Er hat noch weitere Bücher veröffentlicht und hält regelmäßig Vorträge. Das letzte Buch erschien im Jahr 2025: „Mut und Freiheit – ‚Meine‘ Flüchtlinge und meine Fluchthelfer-Freunde“. Jetzt möchte Burkhart Veigel erstmal eine Pause machen, die er sich redlich verdient hat.

Denn er hat auch eine bemerkenswerte berufliche Vita vorzuweisen: er absolvierte während seiner Zeit als Fluchthelfer ein Medizin-, Jura- und Philosophiestudium in Berlin. Nach einer Facharztausbildung zum Orthopäden und Unfallchirurgen hatte er 30 Jahre lang eine eigene Praxis in Stuttgart. Nebenberuflich war er ab 1985 Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Orthopäden und ab 1986 entwickelte er Software für verschiedene medizinische Fachrichtungen. Außerdem spielte er ab 1976 Geige und Bratsche im Orchesterverein Stuttgart und war dort von 1990 bis 2008 im Vorstand tätig. 2017 übergab er der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der DDR-Diktatur eine Spende, aus der jährlich der „Karl-Wilhelm-Fricke-Preis“ ermöglicht wird [4]. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Menschen und Initiativen, die sich um die Aufarbeitung totalitärer Regime verdient gemacht haben. Außerdem wird seit 2018 noch ein jährlicher Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro herausgegeben. 2012 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
Sein Lebensmotto lautet – Zitat: „Gleichgültigkeit ist für mich keine Lebensform die ich akzeptieren kann!“
Dr. Burkhart Veigel hat alle Menschen, denen er zur Flucht verholfen hat, gefragt, warum sie die DDR verlassen hatten. Die Antwort war immer, dass sie ein selbstbestimmtes Leben führen wollten.
Der Vortrag ist im YouTube-Kanal der AfD-Bundestagsfraktion unter folgendem Link abrufbar: https://www.youtube.com/watch?v=lm0_f7gm3t4
[1] https://www.fluchthilfe.de/vita.html
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Girrmann-Gruppe
[3] https://www.fluchthilfe.de/publikationen.html
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Wilhelm-Fricke-Preis
Text und Foto von der Veranstaltung: Gabriele Schade
