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Historische Zugfahrt nach Neustrelitz

Bei angenehmen sommerlichen Temperaturen von 24 Grad Celsius fand am Sonnabend, den 29.8.2026, eine historische Zugfahrt mit einem LVT (Leichtverbrennungstriebwagen) Baujahr 1964 von Oranienburg nach Neustrelitz statt. Die Eisenbahn Logistik und Service GmbH aus Neustrelitz hatte in Kooperation mit dem EFV Pro Schiene e.V. und dem Verein Hafenbahn Neustrelitz e.V. die Fahrt organisiert und veranstaltet. Gabriele Schade war dabei und berichtet von der Bahnfahrt.

Pünktlich um 11.15 Uhr fuhr die aus Neustrelitz kommende und im Volksmund genannte „Ferkeltaxe“ am Gleis 26 im Bahnhof Oranienburg ein. Es hatten sich 45 Fahrgäste für den Ausflug nach Neustrelitz eingefunden. Mit einer kleinen Verspätung ging die Fahrt in dem leuchtend roten LVT los. Unter den Fahrgästen befanden sich auch mehrere Eisenbahner. Die Strecke führte an Sonnenblumenfeldern, Wiesen und Wald vorbei über Nassenheide, Löwenberg, Gransee und Fürstenberg a.d. Havel zum Bahnhof Neustrelitz.

Der Lokführer trug standesgemäß die Uniform der Deutschen Reichsbahn, welche bis zum Jahr 1993 üblich war. Ich hatte das Vergnügen bei der Hinfahrt im Führerstand Platz nehmen zu dürfen und ihm bei der Arbeit zuzusehen. Das Schaltpult ist im Vergleich zu heutigen sehr übersichtlich mit seinen Schaltern und Knöpfen und vermutlich einfacher zu bedienen. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 90 km/h.

Am Bahnhof Neustrelitz wechselten wir dann die Fahrtrichtung und fuhren auf der Hafenbahn Neustrelitz zum Hafen. Die Strecke ist ca. 5,6 km lang und wurde im Dezember 1927 eingeweiht. Der Name entstand wohl, weil am Stammgleis der Anschlussbahn ein Hafenbecken gebaut wurde und Schiffe der Binnenschifffahrt für den Personen- und Gütertransport anlegten. Die Stadt Neustrelitz erlebte dadurch einen wirtschaftlichen Aufschwung. Nach Kriegsende 1945 bis in die 60-er Jahre fuhr zweimal täglich eine kleine Dampflok mit Güterwagen auf der Strecke. In den 80-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erhöhten sich die Fahrten von zwei auf vier täglich. In der Spitze betrug das Frachtaufkommen bis zu 100 Wagenladungen am Tag. Genutzt wurde es von unterschiedlichsten Betrieben u.a. aus der Forstwirtschaft, Metallaufbereitung und Baustoffversorgung sowie auch sowjetischen Streitkräften (1). Ab 1998 wurde die Strecke komplett eingestellt.

Heute befinden sich dort teilweise kleine Gärten und Wohnhäuser an den Schienen. Die Bebauung ist sehr dicht. Anwohner winkten uns freundlich zu. Wir kamen am DHL-Frachtzentrum Neustrelitz und dem Slawendorf vorbei. Es gibt mehrere unbeschrankte Bahnübergänge an der Strecke. Dort wurde bei der Anfahrt immer laut gehupt und an befahrenen Straßen auch angehalten. Ein Mitarbeiter musste dann aussteigen und diese sichern. Das letzte Stück der Strecke befindet sich auf der Straße zum Hafen.

Nach ungefähr eineinhalb Stunden kamen wir am Hafen Neustrelitz an. Es bestand die Möglichkeit sich während des Aufenthaltes die Stadt anzusehen oder eine zweieinhalbstündige Dampferfahrt mit der MS Estrella auf dem Zierker See, weiter durch den Kammerkanal mit einer Schleusung zum Woblitzsee/Havel zu unternehmen. Ich habe mich für Zweiteres entschieden.

Um 16.50 Uhr ging es dann wieder heimwärts nach Oranienburg. Es war ein sehr nettes und besonderes Erlebnis und hat sich wie ein Kurzurlaub angefühlt. Ich würde solche Fahrt in einem historischen Zug auf jeden Fall wieder machen und kann es nur empfehlen.

Auf den Internetseiten https://ausflugsverkehr.de/ sowie https://mecklenburgische-seen-bahn.de/ausflugsfahrten/ findet man dazu Angebote.

Text und Fotos: Gabriele Schade

[1] https://hafenbahn-neustrelitz.de/geschichte

www.brandenburgerfreiheit.de

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